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Münster, 21.9.2018
Lettland: Landwirten macht die Trockenheit zu schaffen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 16. Juni 2018 um 00:00 Uhr

Seit Wochen wärmer als in Spanien

Dürre"Sommer, Sonne, Sonnenschein" (youtube.de) - diesen nervtötenden Partygesang einfliegender Touristenhorden mussten bislang die Einwohner an der Costa del Sol oder auf Mallorca ertragen. Der gegrölte Imperativ lautete "Ab in den Süden," doch zukünftig könnte es heißen: "Ab in den Norden." Seit Mai herrschen an der baltischen Ostseeküste mediterrane Temperaturen um die 30 Grad, heißer als mancherorts in Spanien (lsm.lv). Das erfreut die Sonnenhungrigen unter den Balten, wird aber den Landwirten empfindliche Ernteeinbußen bereiten.

Trockener Boden, Foto: Stefan Kühn, CC BY-SA 3.0, Link

 

Die westlettische Region Kurzeme ist besonders betroffen (lsm.lv). In der Gegend von Kuldiga und Ventspils leidet das Vieh unter dem Wassermangel. Rinderhalter können ihre Kühe nicht mehr füttern, weil das Gras auf den Weiden verdorrt ist. Die Bauern lassen die Tiere schlachten. In Kuldiga haben 49 und in Ventspils zehn Landwirte einen Unterstützungsantrag bei den Kommunen gestellt. Die Stadtregierungen wenden sich wiederum an das Landwirtschaftsministerium, damit es für diese Gebiete den Ausnahmezustand beschließt, der ermöglicht, den Bauern Kredite zu stunden und Kompensationszahlungen zukommen zu lassen.

Auch anderenorts ist der Boden ausgetrocknet. Getreide, Obst und Gemüse wachsen kaum oder sind teilweise schon verdorrt. Die Vertreter der landwirtschaftlichen Lobbyverbände halten die Situation für katastrophal. Mara Rudzate, Vorsitzende des Obstzüchterverbandes, fordert eine Ausweitung des Ausnahmezustandes auf ganz Lettland.

Nach den Angaben des Lettischen Zentrums für Umwelt, Geologie und Meteorologie fehlten in der zweiten Dekade des Monats Mai 43 Prozent und in der dritten Dekade sogar 88 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge. In der Gemeinde Vicaki in der Nähe von Ventspils regnete es überhaupt nicht.

Hitze und Wassermangel lassen nicht nur das Vieh verdursten und die Felder vertrocknen. Hinzu kommt, dass bei dieser ungewöhnlichen Witterung sich die Schädlinge auf den Bohnen- und Rapsfeldern vermehren (lsm.lv).

Außerdem meldet sich die Afrikanische Schweinepest zurück (lsm.lv): In der Nähe von Jelgava ließ ein Schweinezüchter der Hitze wegen Türen und Fenster seines Stalls offen. Die Schweine hatten Kontakt zur Umgebung, in der sich wahrscheinlich von der Seuche befallene Wildtiere aufhielten, und infizierten sich. Die staatlichen Veterinäre ließen alle 165 Schweine töten und nun überwacht die Polizei die Umgebung des Betriebs, damit die vorgeschriebenen Sicherungs- und Quarantänemaßnahmen eingehalten werden.

Die Soldaten, die sich am Nato-Großmanöver Saber Strike beteiligten, trafen bei diesen Temperaturen auf einen unerwarteten Gegner (lsm.lv): Die Hitze entfachte ein Großfeuer auf dem Truppenübungsplatz Adazi, die Feuerwehr benötigte zwei Tage, um es unter Kontrolle zu bringen. 770 Hektar der Geländes sind verbrannt.


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