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Münster, 15.11.2018
Lettland: Bislang größter Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Montag, den 06. August 2018 um 00:00 Uhr

In Saldus werden 15.570 Schweine vernichtet

antikes SchweineopferSeit 2014 verbreitet sich die Afrikanische Schweinepest in Lettland. Sie ist für die infizierten Tiere meistens tödlich. Vermutlich brachten Wildschweine die Seuche ins Land. Der Erreger ist äußerst widerstandsfähig, überlebt Transporte in befallenem Fleisch oder Wurst für lange Zeit. Er kann sogar an Kleidung oder Fahrzeugen haften und sich so weiter verbreiten. Wenn die staatlichen Veterinäre diese Krankheit in einem Zucht- oder Mastbetrieb feststellen, werden alle Schweine des betroffenen Bestands, auch die noch Gesunden, getötet oder wie es in der lettischen Sprache treffender heißt: "likvideti", liquidiert. Am 1. August traf diese Krankheit eine der größten lettischen Schweinefarmen. Der Betrieb befindet sich in der westlettischen Kleinstadt Saldus. Die staatlichen Kontrolleure ordneten an, dessen 15.570 Tiere zu töten (mk.gov.lv). In diesem Jahr wurden bereits acht Ausbrüche dieser tückischen Seuche in lettischen Zucht- und Mastbetrieben festgestellt. Nirgends war die Zahl der zu tötenden Tiere bislang so hoch wie in Saldus.

Darstellung eines Schweineopfers in der Antike, Foto: Epidromos Painter - Jastrow (2007), Gemeinfrei, Link

 

Nun führen Veterinäre, Polizisten und die Arbeiter einer Tierkörperbeseitigungsanstalt die Aktionen durch, die inzwischen bereits Routine sind: Die Schweine werden in diesen Tagen mit Gas getötet, dann in speziellen Anlagen verbrannt. In einem Umkreis von zehn Kilometern um den Betrieb herum überwachen Polizisten Tier- und Fleischtransporte und kontrollieren Veterinäre die Ställe. "Wir können uns keine Verzögerungen erlauben, denn wir schätzen die Krankheit als äußerst tödlich ein und durch die Verbreitung des Virus` unter den Schweinen kann ein Massensterben innerhalb der örtlichen Viehzucht entstehen. Deshalb sind wir bestrebt, nach Möglichkeit schnell alle betroffenen Tiere zu töten. Angesichts des Umfangs und der Tonnage benötigen wir dafür nach optimistischster Einschätzung mindestens neun Tage," sagte Maris Balodis, der Leiter des staatlichen Veterinärdienstes (lsm.lv). Für Tötung und Entsorgung der Tierkörper stellt die Regierung 367.000 Euro zur Verfügung.

Wie in früheren Fällen berichten die Medien, dass die Besitzer des Mastbetriebs hohe Hygienestandards eingehalten hätten und unklar bleibe, was die Infektion verursacht hat. Landwirtschaftsminister Janis Duklavs stellt für die Betreiber finanzielle Entschädigung in Aussicht: "Im großen und ganzen wird es präzise Kompensationen geben, es ist genau geregelt, was die EU erstattet und was sie nicht erstattet. Und es könnten etwa 70 Prozent, vielleicht etwas mehr sein, was wir zurückbekommen werden. Doch zuvor müssen wir das alles mit unseren Mitteln bestreiten. [...] Das wird mehr als eine Million sein, aber eine präzise Summe kann ich derzeit nicht sagen, spekulieren wir nicht mit Zahlen," sagt der Minister. Nach der Vernichtungsaktion wird der Betrieb desinfiziert. Der Leiter, dem die Anlage mit 19 weiteren Besitzern gehört, hat sich noch nicht dazu entschieden, in Zukunft wieder Schweine zu züchten und zu mästen.

Die Afrikanische Schweinepest verbreitet sich auch in den baltischen Nachbarländern, Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien. Eine Karte des lettischen Landwirtschaftsministeriums zeigt, dass sich die Seuche, die für Menschen ungefährlich ist, fast über das ganze Land verbreitet hat: mk.gov.lv. Vor allem sind Wildschweine betroffen, doch dem Virus gelingt auch immer wieder die Infektion der Hausschweine in den Ställen. Deutsche Schweinemäster fürchten die weitere Ausbreitung. In Brandenburg sind die Behörden alarmiert und rechnen jederzeit mit dem ersten Ausbruch (lr-online.de).

 

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