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Münster, 22.8.2019
Deutsch-baltische Wirtschaft angesichts der Ukraine-Krise besorgt (PR-Text der Deutsch-Baltischen Handelskammer) PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 19. Juni 2014 um 00:00 Uhr

Hafenausfahrt von Ventspils mit LeuchtturmDie Ukraine-Krise beunruhigt die in Estland, Lettland und Litauen aktiven deutschen Unternehmen.
Schon jetzt berichten viele Branchen über direkte Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Eine
weitere Verschärfung wird erwartet, sollten Wirtschaftssanktionen gegen Russland umgesetzt
werden. Dennoch bekennt sich die deutsche Wirtschaft geschlossen zum Standort Baltische Staaten und plant weiterhin wie bisher in Estland, Lettland und Litauen aktiv zu sein. Dies ist das Fazit einer Blitzumfrage der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen (AHK Baltische Staaten) Anfang Juni 2014 in Ergänzung ihrer jährlichen Konjunkturumfrage, die sie im Februar und damit vor der Verschärfung der Situation in der Ukraine durchführte.

Die Hafenausfahrt von Ventspils. Der lettische Hafen profitiert von Öltransporten aus Russland, Foto: Algirdas auf Wikimedia Commons, Lizenz

 

Mehrheit rechnet mit wirtschaftlicher Verschlechterung

Die Ukraine-Krise schlägt sich deutlich auf die Erwartungshaltung der Unternehmer in Estland, Lettland und Litauen nieder. Dies ergab eine Blitzumfrage der Deutsch-Baltischen Handelskammer in Estland, Lettland, Litauen (AHK Baltische Staaten) Anfang Juni 2014, an der sich insgesamt 65 Unternehmer beteiligten. Demnach rechnen in Lettland nur noch 6 Prozent, in Estland 8 Prozent und in Litauen 25 Prozent der befragten Unternehmen für 2014 mit einer weiteren Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage in den baltischen Staaten im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem in Estland und Lettland rechnet sogar ein Großteil mit einer Verschlechterung. Im Vergleich zur AHK-Konjunkturumfrage im Februar 2014, in der die aktuelle Wirtschaftslage in den baltischen Staaten sowie die weiteren Aussichten für die Gesamtwirtschaft von den hier aktiven deutschen Unternehmen mehrheitlich als gut bewertet wurden, ist dies eine deutliche Abkühlung. „Diese Ergebnisse bestätigen unsere Erfahrung aus den Gesprächen mit den Unternehmen vor
Ort. Zwar ist die Stimmung nicht mehr so euphorisch wie zu Jahresbeginn, aber es gibt auch keinen Grund zur Panik“, kommentiert Thomas Schöllkopf, Präsident der AHK Baltische Staaten, die Umfrageergebnisse.

Zugwaggons auf einer Eisenbahnstrecke

Güterverkehr zwischen Lettland und Russland, Foto: LP

 

Nachfrage in der Logistikbranche und im Maschinenbau sinkt

Derzeit vermeldet die Mehrheit der in Estland, Lettland und Litauen aktiven deutschen Unternehmen im Tagesgeschäft noch keine direkten Beeinträchtigungen. Allerdings nannten 44 Prozent der Unternehmer in Estland, 31 Prozent in Lettland und 38 Prozent in Litauen konkrete Auswirkungen der Ukraine-Krise. Unternehmen, deren Absatzmärkte in größerem Umfang in Russland oder der Ukraine liegen – allen voran in der Logistikbranche und dem Maschinenbau – berichten vorrangig von Auftragsrückgängen aufgrund des Kursverlustes des Rubels und der gesunkenen Nachfrage in beiden Ländern. Die Mehrheit der Unternehmer vermeldete zudem erschwerte Transportmöglichkeiten für ihre Waren nach Westeuropa aufgrund der abnehmenden Rückfrachten nach Russland. Im Tourismussektor ist die Verunsicherung bei Gästen aus dem
außereuropäischen Ausland spürbar.

Konzerthalle in einer klassischen Holzkonstruktion

Konzerthalle in Jūrmala, der Badeort bei Riga ist nach wie vor ein beliebtes Feriendomizil für russische Touristen, Foto: LP

 

Bei Sanktionen drohen weitere negative Effekte

Für den Fall der Umsetzung der angedrohten Wirtschaftssanktionen gegen Russland geht mehr als ein Drittel der in Estland, Lettland und Litauen aktiven deutschen Unternehmen von weiteren negativen Effekten aus. Befürchtet werden u.a. Lieferausfälle oder Preissteigerungen für Rohstoffe aus Russland, die Aussetzung geplanter Infrastrukturprojekte, die auf eine bessere Anbindung an Russland abzielen, sowie Zahlungsausfälle. Trotz all dieser Aspekte gaben alle befragten Unternehmer an, ihre Geschäftstätigkeit in Estland, Lettland und Litauen wie bisher fortzusetzen. „Die Sorge der deutsch-baltischen Wirtschaft ist groß, dennoch ist das Bekenntnis zum Standort Baltische Staaten erneut eindeutig. Diese Einschätzung blieb in all unseren Umfragen der vergangenen zehn Jahre, d.h. auch in Krisenzeiten, weitestgehend konstant und spricht für
die dauerhafte Attraktivität der baltischen Standorte“, so AHK-Präsident Thomas Schöllkopf.

 

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