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Münster, 01.10.2020
Lettischer Fisch auf chinesischen Tellern - Lebensmittelproduzenten suchen neue Exportmöglichkeiten PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 28. Mai 2015 um 00:00 Uhr

Ein melkendes MädchenEU-Sanktionen und russische Wirtschaftskrise bereiten lettischen Lebensmittel-Produzenten Probleme. Besonders Fischverarbeiter und Molkereien sind betroffen. Für sie waren Russen wichtige Abnehmer ihrer Ware. Seit der Ukraine-Krise vermiesen Rubelabwertung und Importverbote die Geschäfte. Das lettische Landwirtschafts-Ministerium bemühte sich, China als neuen Absatzmarkt zu gewinnen. Die Arbeit war erfolgreich. Die Chinesen gestatten den Letten, ihre Ware zu liefern. Allerdings warnen lettische Hersteller vor übertriebenen Erwartungen.

Foto: "MilkMaid" by Jonathunder - Paša darbs. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.

 

Chinesen kommen auf den lettischen Geschmack

Im letzten Sommer reiste der chinesische Verbraucherminister Zhi Shuping nach Lettland. Er sprach mit Vertretern der lettischen Regierung und besuchte einige Unternehmen, die Lebensmittel produzieren. Offenbar war er recht zufrieden. Die Chinesen gestatteten vor einigen Wochen, dass vier Fischverarbeitungsbetriebe und zehn Molkereien zukünftig Ware liefern dürfen. Der lettische Landwirtschaftminister Jānis Dūklavs fand sich Anfang Mai zu einem Gegenbesuch in Peking ein. Die jahrelange Arbeit seines Ministeriums und des Veterinärdienstes sei mit Erfolg gekrönt worden, verlautbarte er auf der Webseite seines Hauses. Der chinesische Markt sei riesig, deshalb hätten lettische Lebensmittelverarbeiter ein sehr großes Interesse an Exportmöglichkeiten. Neben Fisch und Milchprodukten sind Chinesen offenbar auch auf den Geschmack von lettischem Fleisch gekommen. Seit Anfang des letzten Jahres inspizierten die Chinesen lettische Schlachthöfe, um Fleisch von Rindern und Schafen zu zertifizieren. Drei Schlachtbetriebe sollen in Kürze ebenfalls eine Exportgenehmigung erhalten. Der Streit mit Russland bedeutet für lettische Milchbauern, Fischer und die verarbeitenden Betriebe Umsatzeinbußen. Ein Hersteller von Fischkonserven aus Ventspils entließ vor Weihnachten 400 seiner 480 Beschäftigten. Bis dahin hatte er hauptsächlich nach Russland geliefert.

Stapel verschiedener Käsesorten

Die Chinesen entdecken Milchprodukte, Foto: „Hartkaese HardCheeses“ von Eva K. / Eva K. - Eva K. / Eva K.. Lizenziert unter GFDL 1.2 über Wikimedia Commons.

 

Lettische Milchschleckereien im Tal der drei Katzen

Molkerei-Vertreter dämpfen den Optimismus. Der Handel mit China könne die Umsatzeinbußen auf dem russischen Markt nur teilweise ausgleichen. Anita Skudra, die die Molkerei-Kooperative "Latvijas Piens" leitet, erklärte gegenüber lsm.lv, dass derzeit Exportmöglichkeiten nach China nur theoretisch vorhanden seien. Bis tatsächlich exportiert werden könne, müsse noch viel Zeit und Arbeit aufgewendet werden. Die Letten könnten dann Käse, Milchpulver, Sahne und Eis liefern, dabei müsse man spezielle Produkte für chinesische Bedürfnisse entwickeln. "Latvijas Piens" entwarf für chinesische Kunden eine neue Marke: Trīs kaķu ieleja - Das Tal der drei Katzen. Noch befinde sich der Handel mit Fernost in der Erprobungsphase, mit ersten Aufträgen sei erst innerhalb eines Jahres zu rechnen. Skudras Unternehmen sucht Kontakte zu weiteren außereuropäischen Märkten. Der Milchpreis verdeutlicht, wie sehr das russische Embargo die lettische Milchwirtschaft getroffen hat: Der ist nach Skudras Angaben um 25 bis 35 Prozent gefallen.

 

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