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Münster, 16.10.2018
Liepājas Metalurgs produziert weiterhin Verluste - Stahlwerker verlieren erneut ihren Job PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 30. Mai 2015 um 00:00 Uhr

Leere alte WerkshalleLiepājas Metalurgs ist der größte Arbeitgeber in der ehemaligen Industriestadt Liepāja. Anfang des vorletzten Jahres konnten die Stahlwerker ihre Rechnungen und den Kredit nicht mehr bezahlen, für den die Regierung gebürgt hatte. Sie leitete das Insolvenzverfahren ein und fand im ukrainischen Unternehmen KVV Group einen Interessenten, der bereit war, für Metalurgs 107 Millionen Euro zu zahlen. Die neuen Besitzer zeigten sich optimistisch und kündigten Investitionen an. Anfang Mai 2015 nahmen die Stahlwerker den Elektro-Schmelzofen wieder in Betrieb. Doch vor wenigen Tagen kündigte die KVV-Führung an, die Produktion zu drosseln und Arbeiter zu entlassen. Sie will mit der Regierung über die Strompreise verhandeln, die das Geschäft angeblich unrentabel machten. Kritiker glauben, dass die KVV-Manager den schwierigen Weltmarkt unterschätzt haben, auch Wirtschaftsministerin Dana Reizniece-Ozola äußert sich skeptisch.

Leere Werkshalle aus sowjetischer Zeit - der ehemaligen Industriestadt Liepāja geht die Arbeit aus, Foto: LP

 

Produktion mit Verlusten

Vor der Insolvenz waren 2300 Arbeiterinnen und Arbeiter bei Metalurgs beschäftigt. Sie stellten hauptsächlich aus Schrott Moniereisen her, den u.a. die spanische Bauindustrie benötigte. Immobilienkrisen und billigere Konkurrenz aus Fernost verdarben die Geschäfte, die Produktion stand still, die Stahlwerker verloren ihren Arbeitsplatz. Im September 2014 fand der Insolvenzverwalter einen Käufer, die ukrainische KVV-Group. Diese machte Hoffnung auf einen Neubeginn. Inzwischen arbeiten wieder 960 Stahlwerker in den Metalurgs-Hallen. Doch am 19.5.2015 berichteten die Medien über den erneuten Rückschlag: Die Produktion solle gedrosselt, bis zu 400 Arbeiter entlassen werden. KVV-Vorstandsmitglied Igors Kovaļenko stellte gegenüber der Nachrichtenagentur Leta den Produktionsstopp am Schmelzofen als Routinevorgang dar. Die Arbeit würde in wenigen Tagen wieder aufgenommen. Journalisten von TV Kurzeme hatten dagegen von einer überraschten Belegschaft berichtet, die bereits den Hochofen mit dem Rohmaterial Schrott gefüllt hatten, als sie die Anweisung erhielten, die Arbeit zu unterbrechen. Kovaļenkos Äußerungen deuten auf Fehlkalkulationen. Die KKV-Manager sehen unter den derzeitigen Bedingungen offenbar keine Möglichkeit, Metalurgs profitabel zu betreiben. Sie klagen über zu hohe Preise für das Rohmaterial Schrott und zudem über zu hohe Energiekosten. Kovaļenko weist auf einen Verlust von 1,25 Millionen Euro hin, den die Produktion allein im Mai verursacht habe. Er will mit der Wirtschaftsministerin Dana Reizniece-Ozola über günstigere Einkaufspreise verhandeln. Kovaļenko bestätigt bislang die Entlassung von 150 Arbeitern. Manche von ihnen hatten nach dem Konkurs vor zwei Jahren bereits anderswo eine neue Stelle gefunden und waren gerade an ihren alten Metalurgs-Arbeitsplatz zurückgekehrt.

Güterzug mit Schrott

Ein Güterzug mit Schrottlieferung am Bahnhof von Liepāja. Schrott ist der Rohstoff für Metalurgs, Die KKV-Manager beklagen, dass die Schrottpreise in Lettland zu hoch seien, Foto: LP

 

Reizniece-Ozola: Lettland ist keine erpressbare Bananenrepublik

Reizniece-Ozola zeigt sich gegenüber den Vorstellungen der KKV-Manager misstrauisch. Beispielsweise forderten sie Exportbeschränkungen für lettische Schrotthändler. Solche könne ein Mitgliedstaat der EU nicht beschließen. Gegenüber Leta äußerte die Ministerin den Verdacht, dass die neuen Metalurgs-Inhaber nicht wüssten, in welchem Staat sie tätig seien. "Hier ist keine Bananenrepublik und man muss die Spielregeln beachten." Auch die Forderung, die Stromkosten zu senken, weist die Politikerin zurück: "Wenn das Unternehmen gerade verschiedene Gründe sucht [die Produktion zu drosseln], dann sehe ich darin einen Versuch, die Regierung zu erpressen." Derzeit produziert Metalurgs Armaturen für Algerien. In Zukunft soll Metalurgs-Stahl auch nach Polen oder Deutschland exportiert werden. Am 29.5.2015 traf sich Reizniece-Ozola mit der KVV-Führung. Bis zum späten Nachmittag lagen der Öffentlichkeit noch keine Ergebnisse der Unterredung vor.

 

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