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Münster, 25.5.2019
Austers warnt vor den Risiken der lettischen EU-Mitgliedschaft PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 09. April 2016 um 00:00 Uhr

Verluste durch Abwanderung und negative Leistungsbilanz

Huebner, AuswandererAm 5.4.2016 lud das lettische Finanzministerium zur Diskussion “Lettlands politische und ökonomische Konvergenz innerhalb der EU – wer zahlt wieviel dafür?” Madara Fridrihsone vom Lettischen Radio fasste die Ansicht einiger Teilnehmer zusammen. In Anbetracht des “Fünf-Präsidenten-Plans”, der vorsieht, die Währungsunion bis 2025 stärker zu integrieren, habe noch in keinem EU-Land die Diskussion über Gewinne und Verluste begonnen, welche mit der Mitgliedschaft in der EU verbunden seien. Die Experten kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Abschied der Auswanderer von ihrer Heimat von Carl Wilhelm Hübner, 1846, Foto: Unbekannt auf Wikimedia Commons

 

Emigration aus wirtschaftlichen Gründen

Aldis Austers vom Außenpolitischen Institut Lettlands sieht die Teilnahme seines Landes an der EU skeptisch: Die Leistungsbilanz sei negativ. Dies verursache [jährliche] Verluste im Umfang von 1,6 Milliarden Euro, allerdings habe Lettland auch Einnahmen aus den EU-Strukturfonds. Zudem berechnet Austers die Folgen der Emigration aus wirtschaftlichen Gründen: Etwa 250.000 der ökonomisch aktiven Bevölkerung habe sich ins Ausland begeben. Gemessen am Nationaleinkommen pro Einwohner bewirke die EU einen Verlust von 3,6 Milliarden Euro. Er wolle mit solchen Zahlen nicht aufzeigen, dass die Mitgliedschaft in der EU und die Teilnahme an der Währungsunion ein Fehler gewesen sei. Doch er möchte dazu anregen, über die Risiken nachzudenken, um Instrumente zu entwickeln, die Verluste zukünftig vermeiden. Er zweifelt außerdem daran, ob Lettland unter den heutigen Bedingungen imstande ist, den Wohlstand der 15 alten Kernstaaten der EU zu erreichen. “Die Mitgliedschaft in der Eurozone, wie sie sich derzeit gestaltet, bedingt leider zu große Risiken für Lettlands ökonomische Entwicklung und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass unser Konvergenzprozess stocken wird und wir nicht in der Lage sein werden, das Niveau eines entwickelten Landes der EU zu erreichen,” zitiert Fridihsone den außenpolitischen Experten. Pēteris Strautiņš , ein viel zitierter Wirtschaftsexperte der DNB-Bank, widerspricht. Er erinnert daran, dass in der Zeit der Finanzkrise von 2009 die EU den größten Teil der “internationalen Hilfe” für Lettland übernommen habe. (Dieser Kredit, den Lettland u.a. benötigte, um die Parex-Bank zu “retten”, war allerdings mit empfindlichen Etatkürzungen verbunden, die so manche private Existenz ruinierten). Außerdem ist Strautiņš der Überzeugung, dass Lettlands Emigrationssaldo auch ohne EU negativ sei. “Er war bereits vor der Mitgliedschaft in der EU negativ. Nun wurde er größer, ja.”

 

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Externer Linkhinweis:

lsm.lv: Pētnieks: Latvijai lielākos zaudējumus no dalības ES sagādā emigrācija


 

 

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