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Münster, 16.7.2018
Lettland: Konzern Maxima zu Tarifverhandlungen bereit PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Donnerstag, den 16. April 2015 um 00:00 Uhr

Maxima-FilialeDiscounten bis zum Tiefstpreis ermöglicht dem Rentner, Erwerbslosen oder Geringverdiener, mit wenig Geld am Massenkonsum teilzunehmen: Ob Nordsee-Krabben, chilenischer Lachs, Kleidung oder Computer aus Südostasien, niemand kommt zu kurz, wenn der "Preis spricht", wie eine entsprechende Reklame verheißt. Doch stets gibt es welche, die die Zeche bezahlen, zum Beispiel mit miesen Arbeitsbedingungen. Die Kassiererinnen müssten eigentlich mit Windeln an der Kasse sitzen, weil für den Gang zur Toilette keine Zeit bliebe, hieß es einmal bei einem deutschen Discounterskandal. Das war wohl journalistisch übertrieben, verdeutlichte aber, was Verkäuferinnen und Kassiererinnen täglich leisten und erdulden müssen. Als im November 2013 in Riga-Zolitūde das Dach einer Maxima-Filiale einbrach und 54 Tote unter sich begrub, zeigte sich, was die Sicherheitsvorschriften dieses Konzerns vorsahen: Bis zum letzten Atemzug sollte abkassiert werden. Damals erinnerte sich die Öffentlichkeit an einem zuvor publizierten Artikel der Journalistin Ilze Vēbere. Sie arbeitete mehrere Wochen in einer Maxima-Filiale. Das war die Zeit eines freudlosen Lebens. Nicht nur lange Arbeitszeiten und mäßiger Lohn verdrießten, hinzu kam der psychische Druck, gleichzeitig für schnelle Bedienung an der Kasse und für volle Regale sorgen zu müssen. Defizite bei Kassenschluss sollte sie selber ausgleichen. Ihr fragwürdiger Arbeitsvertrag ermöglichte ihrem Chef, sie nach Bedarf einzusetzen oder ihr abzusagen. Solche Presse hat den Ruf der litauischen Supermarktkette, die auch in Lettland die größte ist, gründlich ruiniert. Es kursierte sogar ein Boykott-Aufruf, der allerdings den Umsatz kaum minderte. Pēteris Krīgers, Vorsitzender des lettischen Gewerkschafts-Dachverbandes LBAS rief damals die Beschäftigten dazu auf, ihren "sklavischen Gehorsam" zu überwinden und sich gewerkschaftlich zu betätigen. Mitarbeiter wagten nur anonym, in den Medien über ihre misslichen Arbeitsbedingungen zu berichten. Von den etwa 7500 Angestellten sind nur wenige Dutzend Gewerkschaftsmitglied. Dennoch trifft sich die Maxima-Führung seit 2013 mit Vertretern der lettischen Einzelhandelsgewerkschaft LTDA. Am 20.3.2015 informierte die lettische Webseite des Konzerns darüber, dass sich die Geschäftsleitung mit den Gewerkschaftern auf ein Absichtsprotokoll geeinigt hat.

Kleine Maxima-Filiale in Riga Purvsciems, Foto: LP

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EU-Sanktionspolitik und russische Wirtschaftskrise treffen auch lettische Fischverarbeiter PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 20. Dezember 2014 um 00:00 Uhr

Hafen VentspilsKurz vor Weihnachten erfuhren 402 Beschäftigte des Ventspils Fischkonserven-Kombinats/ Ventspils zivju konservu kombināts (VZKK) eine wenig frohe Botschaft: Ab Januar 2015 werden sie nicht mehr gebraucht. Hauptsächlich konservieren sie Fisch für russische Kundschaft. Doch nun verleidet er Ost-West-Konflikt die Geschäfte. Die russische Regierung hat auf westliche Sanktionen mit einem Lebensmittel-Embargo reagiert. Lettische Milchbauern sind davon betroffen. Sie erleiden hohe Einbußen, weil ihre Milch und Milchprodukte nicht mehr über die russische Grenze gebracht werden dürfen. Aber das VZKK konnte weiterhin die beliebten geräucherten Sprotten oder Brätlinge in Tomatensoße zum russischen Verbraucher liefern. Die Webseite der Firma präsentiert ihre Produkte gleich mit kyrillischen Aufschriften. Nun trifft die russische Wirtschaftskrise auch die lettischen Fischverarbeiter. VZKK-Vorstandsmitglied Ingus Klindžāns begründete am 18.12.2014 der Nachrichtenagentur Leta die Massenentlassung mit Absatzproblemen. Er gestand die Abhängigkeit vom russischen Markt ein. 70 Prozent aller Ventspilser Fischexporte enden in russischen Regalen. Jetzt wollen die VZKK-Chefs die Produktion drastisch drosseln. Ab Januar sollen nur noch 80 Mitarbeiter Fisch einlegen und verpacken. Klindžāns nennt als Hauptgrund den Rubelverfall.

Die Hafenausfahrt von Ventspils, die Stadt ist auf Geschäfte mit Russland angewiesen, Foto: Algirdas auf Wikimedia Commons

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Streit zwischen Ryanair und dem Rigaer Flughafen PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 15. November 2014 um 13:42 Uhr

Am 11.11.2014 reichten vier von fünf Vorstandsmitgliedern des Rigaer Flughafens, unter ihnen der Vorsitzende Aldis Mūrnieks, bei Verkehrsminister Anrijs Matīss ihr Rücktrittsgesuch ein. Ministerium und Flughafenleitung waren sich u.a. uneins in der Frage, wie mit Ryanair zu verhandeln ist. Im März 2015 endet der zehn Jahre alte Vertrag mit dem Flugdiscounter. Diese Vereinbarung kam in der Zeit zustande, als der umstrittene Geschäftsmann und Politiker Ainārs Šlesers Verkehrsminister war. Ryanair ist ein Problem für öffentliche Entscheidungsträger. Einerseits ist dieser Anbieter bei Passagieren beliebt, weil sie die billigen Tickets schätzen. Seit die Iren Riga anfliegen, haben sich die Fluggastzahlen vervielfacht. Davon profitiert die lettische Wirtschaft (zulasten der Umwelt). Doch für den Rigaer Flughafen ist es ein Verlustgeschäft. Letztlich subventioniert der Steuerzahler diese Billigflüge. Die Rabatte, die Ryanair aushandelte, benachteiligt konkurrierende Unternehmen. Unter anderem streitet die staatliche Air Baltic, die in Riga ihren Sitz hat, mit den Flughafenbetreibern vor Gericht. Die Ryanair-Manager beharren dennoch auf ihren Preisnachlässen und drohen Riga zu verlassen. Gegenüber dem Lettischen Radio beklagen Flughafenmitarbeiter den aggressiven Verhandlungsstil der Iren. Die Leitung des Rigaer Flugbetriebs ist in der Zwickmühle. Das lettische Kartellamt bestrafte sie am 21.2.2012 mit 50.000 Lats (71.136 Euro), weil sie den Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung Ryanairs fördere. Dies verstoße gegen das EU-Wettbewerbsrecht. Danach forderten die Flughafenchefs von den Iren mehr Gebühren. Diese zahlten aber nicht, zogen statt dessen mit einer Millionenklage vor das Londoner Schiedsgericht und erhielten recht. Von der bereits neu eingesetzten Führung verlangt der Verkehrsminister öffentlich, Ryanair unbedingt in Riga zu halten. Das dürfte die Verhandlungsposition der neuen Flughafenchefs schwächen.

Der Flughafen Riga vergrößerte sich auch dank Ryanair - doch die Iren verursachen Verluste, Foto: MOs810 auf Wikimedia Commons, Lizenz

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