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Münster, 16.12.2017
Lettland, der Konjunktur-Spitzenreiter: Politisieren mit dem BIP-Wachstum PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 17. Juli 2013 um 00:00 Uhr

Rigas ZentralmarktManche Wissenschaftler bezweifeln, ob das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch zeitgemäß ist. Es basiert lediglich auf beliebig verrichtete Arbeit, die bezahlt und staatlich erfasst worden ist. So sind Unfälle in volkswirtschaftlicher Hinsicht ein Segen, denn Reparaturwerkstätten, Ärzte und Bestattungsunternehmer stellen dann Rechnungen aus, die das BIP vermehren. Ob die mechanisch erfasste Summe aller Produkte und Dienstleistungen eines Landes tatsächlich etwas über das Wohlergehen der Bürger aussagt, wird beispielsweise vom Sozialpsychologen Harald Welzer in Frage gestellt. Doch neoklassisch-neoliberale und keynesianische Ökonomen, die sich ansonsten häufig streiten, eint nach wie vor der Glaube an das BIP, das stets wachsen soll. Trotzdem sind ihre Schlüsse aus den Daten unterschiedlich und widersprüchlich. Lettland ist hierfür ein gutes Beispiel: Neoliberale Ökonomen sekundieren der lettischen Regierung und verteidigen die lettische „Erfolgsgeschichte“. Ein Großteil der deutschen Medien propagiert sie ebenfalls. Noch im letzten ARD-Presseclub hielt der Brüsseler Korrespondent Rolf-Dieter Krause den Griechen Estland und Lettland als gelungene Beispiele entgegen, wie die Krise zu bewältigen sei. Keynesianer wie Paul Krugman hingegen, der der Regierung Dombrovskis seit Jahren eine falsche Wirtschaftspolitik unterstellt, lässt sich von fiskalisch guten Daten – Lettland ist in Bezug auf die Maastricht-Kriterien ein Musterschüler – nicht überzeugen. Trotz Abwanderung bleibt die Erwerbslosigkeit hoch und das Lohnniveau mickrig. Eine gewisse Erholung der lettischen Wirtschaft räumt allerdings auch dieser us-amerikanische Nobelpreisträger ein. Die lettische Regierung präsentiert seit letztem Jahr die – prozentual – höchsten BIP-Wachstumsraten der EU. Doch die Bewertung des BIP ist eine Sache der Betrachtung und des gewählten Zeitraums.

Käufer auf dem Rigaer Zentralmarkt, Foto: LP

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Giraffe Visual erhielt den Preis der Deutschen Wirtschaft der deutschlettischen AHK PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Samstag, den 08. Juni 2013 um 00:00 Uhr

Am 6.6.2013 ehrte die Deutsch-Baltische Handelskammer in Riga das lettische IT-Unternehmen Giraffe Visual mit dem Preis der Deutschen Wirtschaft. Diese deutsche Auslandshandelskammer (AHK), die mit den Industrie- und Handelskammern in Deutschland kooperiert, zeichnet jedes Jahr eine Firma aus, die in Lettland produziert bzw. Dienstleistungen anbietet, nun schon zum 15. Mal. In diesem Jahr war das Motto „Junges Unternehmen“. Die Jury lobte damit eine besonders innovative und kreative Firmengründung.

Preisträger und Preisverleiher des Deutschen Wirtschaftspreises, in der Mitte: Staatspräsident Andris Bērziņš, Foto: AHK Riga

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1. Mai 2013 - Kein Grund zur Feierlaune - Fast ein Viertel der jungen Letten ist erwerbslos PDF Druckbutton anzeigen?
Geschrieben von: Udo Bongartz   
Mittwoch, den 01. Mai 2013 um 00:00 Uhr

Fabrikruine

Fabrikruine in Riga, Foto: LP

Europas Staaten verpflichten ihre Bürger zur Lohnarbeit. Wer sie nicht findet, muss seinen unbedingten Willen bekunden, alle möglichen und unmöglichen Stellen anzutreten. Dies ist die Voraussetzung, um Lohnersatzleistungen zu erhalten. Die unbedingte Pflicht zur Arbeit bereitet Arbeitgebern ein Reservoir von Billigjobbern, die Arbeit unter allen Umständen annehmen müssen. In Lettland verbreiten Arbeitgeberverbände und Medien trotz immer noch hoher Erwerbslosigkeit die Behauptung, zu hohe Sozialleistungen hielten Arbeitnehmer von der Arbeit ab. Lettlands soziale Hängematte reicht aber auf hartem Betonboden herunter. Die Regierung hat die finanzielle Unterstützung der Erwerbslosen den Kommunen aufgebürdet. Diese fördern je nach Kassenlage.  Das Reportage-Web rebaltica.lv berichtet, dass die relativ reiche Kommune Riga im Jahr 2011 erfolglose Jobsucher mit durchschnittlich 279 Lats (379 Euro) monatlich unterstützt hat. Im ländlichen Kreis Sēja erhielten Arbeitslose dagegen nur 38 Lats. Eine rebaltica-Journalistin arbeitete in einer ländlichen Fischkonservenfabrik: Unter beschwerlichen Akkordbedingungen erzielte sie den staatlichen Mindestlohn von 200 Lats nur knapp. Sie berichtete von unzumutbaren Arbeitsbedingungen, falschen Versprechungen, schäbiger Unterkunft und Verpflegung. Solche Zustände sind nur möglich, wenn Stellen fehlen und Arbeitswillige keine Wahl haben. Besonders schwierig ist die Lage für Ältere und Jugendliche, deren Zukunft der Gesellschaft angeblich so wichtig ist. Die Eurostat-Erwerbslosenstatistik verzeichnet im März 2013 einen Antirekord. Einem Großteil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird ein Leben mit gesichertem Arbeitsplatz verwehrt. Die lettischen Zahlen ragen in der traurigen Tabelle der Jugendarbeitslosigkeit nicht besonders hervor, wie eine "Erfolgsgeschichte" lesen sie sich aber auch nicht.

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